Im Juni fand unser traditionelles 3-Ländertreffen statt. Doch 2021 trafen wir uns weder in Österreich, noch in der Schweiz und auch nicht Luxemburg, sondern im virtuellen Raum eines Webinars. Die sanitäre Krise hat noch nichts an Aktualität eingebüßt, dies hörte man ganz klar aus den jeweiligen Berichterstattungen der drei Länder. Doch neben der Corona-Lage und dem europäischen Jahr der Eisenbahn, stand beim diesjährigen Kongress der IeV, das Thema Digitalisierung im Vordergrund.

Frau Anne-Céline Bonnier von der SBB referierte zum Thema Digifonds. Dieser Digitalisierungsfonds zeigt die Auswirkun-

gen der Digitalisierung und weiterer zukünftiger Entwicklungen auf die Arbeitswelt und Arbeitsplätze der SBB auf und soll helfen den digitalen Wandel im Betrieb umzusetzen.

In einem zweiten Vortrag referierten die Herren Dr Daniel Kunzelmann und Dr Remo Reginold des Swiss Institute for Global Affairs zum Thema: "Der Cyberspace - eine kritische Annäherung".

Die neugewonnenen Erkenntnisse, Eindrücke und gewerkschaftliche Überlegungen verfassten die Mitglieder der IeV anschließend in einer Resolution, in welcher das Thema der digitalen Resilienz im Vordergrund stand.

Resolution der IeV (Interessengemeinschaft europäischer Verkehrsgewerkschaften):

Der Mensch im Mittelpunkt des digitalen Wandels

Der Cyberspace, die virtuelle Realität und die digitale Transformation sind feste Bestandteile unseres wirtschaftlichen und privaten Lebens geworden. Die Verknüpfung und Vernetzung von Informationen, aber auch die technischen Erneuerungen im digitalen Raum erleichtern ungemein die Aufgaben im Alltag. Sie schaffen neue Geschäftsmodelle und lassen die globale Welt näher rücken. Welche längerfristigen Folgen die zunehmende digitale Realität haben wird, ist heute schwer abzuschätzen.

Viele Menschen und Firmen sehen den Cyberspace und dessen digitalen Möglichkeiten als grossen Wurf. Für die Mitglieder der IeV jedoch wird der Hype um die Digitalisierung zur Hypothek und zunehmend kritisch hinterfragt. Vor allem weil der Mensch dabei vergessen wird.

Die zunehmende Digitalisierung zeigt uns auf, wie der virtuelle Raum den realen Raum einnimmt. So ist zum Beispiel der Deckungsgrad der Kosten eines Transportgutes nicht mehr von grösster Wichtigkeit, sondern der Gebrauch der damit vorhandenen Daten.

Der kritische Umgang mit dem Cyberspace wird zeigen, dass die Digitalisierung nicht in erster Linie eine technologische Angelegenheit, sondern vielmehr eine gesellschaftliche, kulturelle und eine politische Herausforderung ist.

Der Mensch darf in der Digitalisierung nicht nur auf seine Daten reduziert werden. Er muss weiterhin als ein wertvolles Individuum angesehen und keinesfalls aus dem Lern- und Arbeitsprozess ausgeschlossen werden.

Für die IeV ist klar, dass die digitalen Entwicklungen eine Auswirkung auf die Gesellschaft, die Mobilität sowie auf die Beschäftigungslage hat. Die Herausforderung besteht nun

darin, diese Transition im Sinne der Arbeitnehmer:innen proaktiv mitzugestalten. Diese ist innerhalb der Sozialpartnerschaft gemeinsam anzugehen. Es soll immer sichergestellt sein, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen von der Einführung digitaler Technologien profitieren.

Die IeV empfiehlt folgende Grundsätze und Ziele:

• Der richtige Umgang in der digitalen Welt darf nicht vergessen und muss in die Lehrpläne der Aus- und Weiterbildung aufgenommen werden.

• Die Erreichbarkeit von 24 Stunden und sieben Tage in der Woche ist sozial nicht verkraftbar. Diese „Erreichbarkeit“ geht auf Kosten des Privatlebens und der persönlichen Gesundheit.

• Das Recht auf Nichterreichbarkeit muss anerkannt und gewährleistet sein.

• Das Regelwerk zur Digitalisierung muss in staatlicher Hand liegen und darf nicht durch die Wirtschaft vorgegeben werden.

• Das Recht der Wahrung der persönlichen Daten muss unantastbar sein.

• Der Datenschutz muss von einer unabhängigen Stelle jederzeit überprüft werden können.

Damit die digitale Transition ein Erfolg wird und die Arbeitnehmer:innen nicht auf der Strecke bleiben, müssen diese geforderten Leitlinien laufend überprüft und angepasst werden. Dazu ist eine ständige Arbeitsgruppe bestehend aus Staat, Arbeitgeber und die Vertretungen der Arbeitnehmer einzurichten.

Ausgearbeitet durch die IeV am 21.06.2021