Jahr für Jahr werden die Baustellen einige Wochen vor den Sommerferien bekannt gegeben. Festzustellen ist, dass die Anzahl der Baustellen unverändert hoch bleibt. In diesem Jahr sind alle Strecken betroffen. Die Auswirkungen auf Kunden und Nutzer sind offensichtlich, doch auch die Angestellten sind erheblich betroffen. Auch wenn es keine offizielle Urlaubssperre gibt, wird auf die Tatsache verwiesen, dass Sommerzeit und Baustellen bei der Eisenbahn Hand in Hand gehen und einen hohen Einsatz verlangen. Das bedeutet, dass persönliche Urlaubspläne zweitrangig sind, die gesetzlichen Arbeitszeiten bis ans Limit ausgereizt werden und auch mal darüber hinaus in Kauf genommen werden sollen. Letzteres gilt besonders für Fälle, in denen sich unsere Arbeitskollegen eher den Arbeitszeiten externer Unternehmer beugen sollen als umgekehrt. Es ist jedes Jahr dasselbe: Die Situation ist bekannt, wird aber von den CFLVerantwortlichen beschönigt und toleriert.
Der Mangel an Personal wird nicht ausreichend thematisiert, bestenfalls wird auf einige wenige punktuelle Verbesserungen verwiesen. Eine grundlegende Lösung des Problems ist nicht in Sicht.
Die fortwährende Belastung, die durch eine schleichende Degradierung der Arbeitsbedingungen noch verstärkt wird, hat zur Folge, dass Mitarbeitende dem als attraktiv ausgezeichneten Arbeitgeber CFL zunehmend den Rücken kehren und sich nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten umschauen.
Hot time, summer in the city
In den vergangenen Wochen stellten die hohen Temperaturen und vor allem die anhaltende Hitzewelle einen wahren Störfaktor für Mitarbeitende und Betrieb dar. Die Arbeitszeiten wurden angepasst. Beschäftigte im Außendienst erledigten ihre Arbeiten statt von 7 bis 15 Uhr von 6 bis 14 Uhr. Jedoch erwies sich der Nutzen dieser Maßnahme als begrenzt, da die Temperaturen bereits um 6 Uhr morgens über 20 °C lagen.
Der Arbeitgeber ist hier dringend gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um die Mitarbeitenden vor Sonne, Hitze und Dehydration zu schützen. Ausreichender Schatten, die Bereitstellung von kühlen Getränken, Sonnencreme und kühlenden Tüchern sowie Kühlboxen, Sonnenschirmen oder Zelten sind Mittel, die schnelle Abhilfe für alle Kolleginnen und Kollegen im Außendienst bringen können. Es gilt, diese als Betrieb umzusetzen, anstatt darauf zu warten, dass einige Teams die Dinge auf eigene Kosten in die Hand nehmen.
Die hohen Temperaturen bringen zudem mit sich, dass bestimmte Arbeiten tagsüber nicht mehr durchgeführt werden können. Diese müssen in die Nacht verlegt werden, was wiederum Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen hat, insbesondere hinsichtlich der maximalen Anzahl an Nachtschichten.
Überlegungen im Bereich Dienst-, Arbeits- und Schutzkleidung nötig
Es sind weitere Überlegungen im Bereich Dienst, Arbeits und Schutzkleidung nötig. Bei den hohen Temperaturen sind viele Arbeiten, die beispielsweise eine Multinormschutzkleidung erfordern, in dieser kaum durchführbar. Bei Dienst- und Arbeitskleidung wird nur wenig auf die Jahreszeiten geachtet, was die Stoffmaterialien betrifft. Warum also nicht über leichtere Materialien (z. B. Leinen) bei Arbeitskleidung und Sicherheitskleidung nachdenken? Auch Lokführer, Busfahrer, Aufsichtspersonal oder Zugbegleiter können in kurzen bzw. 3/4 oder 7/8-Hosen adrett aussehen.
Keine Frage „ob“ sondern „wann“?
Die Frage ist nicht, ob, sondern wann die nächste Hitzewelle über uns hereinbricht. Daher müssen umgehend kurzfristige Maßnahmen getroffen werden. Darüber hinaus ist es jetzt an der Zeit, geeignete und wirksame Verfahren, Abläufe und Maßnahmen für kommende Hitzeperioden zu entwickeln, um ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld für die Mitarbeitenden zu schaffen. Neben den Verantwortlichen der CFL sind hier auch politische Entscheidungsträger gefragt. Für die Zukunft braucht es innovative und flexible Lösungen, die in einem allgemein gültigen Rahmen festgelegt sind – eine Art nationaler Plan gegen Hitzewellen. Für den CFL-Betrieb braucht es außerdem klare Verfahren, die dienststellenübergreifend konkrete Maßnahmen zum Schutz gegen Hitze vorsehen. Der Betrieb kann sich nicht immer wieder dieselben Fragen stellen, was, wie und ab wann zu tun ist. Es braucht ein Konzept mit klaren Verantwortlichkeiten und einem gemeinsamen Lösungskatalog. Dies alles darf nicht den einzelnen Betrieben überlassen werden, denn die Gefahr der Inkohärenz ist zu groß. Verschiedene Vorgesetzte mit unterschiedlichen Vorstellungen und Prioritäten beurteilen die Angemessenheit verschiedener Maßnahmen selten gleich.
Abschließend möchten wir uns im Namen des gesamten SYPROLUX bei all unseren Kolleginnen und Kollegen für ihren Einsatz und die bereits erbrachten sowie noch zu erbringenden Leistungen bedanken.
Denjenigen, die verreisen können, wünschen wir eine schöne und entspannte Zeit.
François Duhr