Ein weiterer wichtiger Punkt ist die jährliche Anpassung der Renten an die wirtschaftliche Entwicklung und die Lebenshaltungskosten. (01.01.2026: Die Bruttobeträge der Renten stiegen um 1,5 %). Eine Entkopplung der Renten von der allgemeinen Lohnentwicklung würde dazu führen, dass Rentner künftig immer weniger am gesellschaftlichen Wohlstand teilhaben könnten. Das Risiko der Altersarmut wäre akut und inakzeptabel.
Wir als SYPROLUX lassen uns nicht mit vagen Versprechen auf „soziale Begleitmaßnahmen“ abspeisen. Wir wissen, was diese wert sind, wenn erst einmal die Gesetze verabschiedet sind. Die Rentenreform trägt die Handschrift einer Politik, die den Wirtschaftsstandort über das Wohlergehen der Menschen stellt. Man will Luxemburg „wettbewerbsfähig“ halten, indem man den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft opfert.
Renten-Marathon: Warum 40 Jahre Arbeit plötzlich nicht mehr reichen…
Ab Juli 2026 treten umfassende Änderungen in der Altersvorsorge in Kraft: Der Gesamtbeitragssatz steigt von 24 % auf 25,5 %, wobei die Lasten gleichmäßig verteilt werden. Arbeitnehmer, Arbeitgeber und der Staat tragen künftig jeweils 8,5 % (statt bisher 8,0 %).
Gleichzeitig müssen Arbeitnehmer für die Rente mit 60 Jahren länger arbeiten: Ab Juli 2026 steigt die nötige Arbeitszeit schrittweise von 481 auf 488 Monate im Jahr 2030. (ein Plus von einem Monat pro Jahr). Die 8 zusätzlichen Monate gelten auch über das Jahr 2030 hinaus. Vorzeitige Pensionierungen mit 57 Jahren (basierend auf 40 Jahren Pflichtversicherung), Renten für Schicht- oder Nachtarbeit sowie Renten mit 65 Jahren sind von dieser Verlängerung nicht betroffen.
Einführung einer gestaffelten Rente im allgemeinen Rentensystem. Hier kann ein Arbeitnehmer, der die Voraussetzungen für den Vorruhestand (60 Jahre) erfüllt, weiterhin in Teilzeit arbeiten und gleichzeitig einen Teil seiner Rente beziehen.
Bisher konnten nur Studienjahre zwischen dem 18. und 27. Lebensjahr als Zusatzzeiten angerechnet werden (bis zu einer Höchstgrenze von 9 Jahren). Diese Einschränkung entfällt, wodurch mehr Flexibilität für lange oder spätere akademische Laufbahnen geschaffen werden.
Um Erwerbstätige zu ermutigen, bis zum Alter von 65 Jahren zu arbeiten, wird ein neuer Steuerfreibetrag namens „Abattement de Maintien dans la Vie Professionnelle” (AMVP) eingeführt.
Die Einführung des Steuerfreibetrags von bis zu 9.000 € klingt verlockend. Doch bei genauerem Hinsehen ist dies eine Prämie für die, die es sich leisten können. Wer körperlich oder psychisch ausgebrannt ist, kann nicht „freiwillig“ länger arbeiten, um Steuervorteile abzugreifen. Hier wird eine Zweiklassengesellschaft geschaffen: „Wer gesund ist, profitiert; wer erschöpft ist, zahlt drauf.“
Mit der Erhöhung der steuerlichen Absetzbarkeit für private Altersvorsorge auf 4.500€, macht der Staat deutlich, dass die Verantwortung für eine gute Rente Stück für Stück auf den Einzelnen Arbeitnehmer weiterverschiebt wird. Wer es sich leisten kann, sorgt privat vor – wer nicht, bleibt auf der Strecke.
Luxemburg-Rente für Grenzgänger – was ich wissen muss …
Um Geld aus der luxemburgischen Rentenkasse zu erhalten, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein. Erstens muss man das offizielle Rentenalter erreicht haben und insgesamt mindestens 10 Jahre in Europa gearbeitet haben (davon mindestens 1 Jahr direkt in Luxemburg).
Menschlichkeit muss messbar werden
Eine Reform, die sich primär darauf bezieht, durch Beitragssteigerungen und Arbeitszeitverlängerung Löcher zu stopfen, wird dem Anspruch eines modernen Sozialstaates nicht gerecht. Wir brauchen ein Rentensystem, das Lebensleistung respektiert und Sicherheit garantiert, ohne die Menschen bis zum letzten Moment auszupressen.
Die Würde des Menschen ist unantastbar – auch und besonders nach 40 Jahren Arbeit. Es ist an der Zeit, dass die luxemburgische Regierung dies bei den anstehenden Debatten im Parlament wieder zur Priorität macht.
Wir sind bereit für den Dialog. Eine Reform, die auf dem Rücken derer ausgetragen wird, die Luxemburgs Infrastruktur tragen, wird unseren Protest ernten. Das Land funktioniert nur, solange der soziale Frieden gewahrt bleibt – und dieser Frieden ist durch die aktuellen Pläne in Schieflage geraten. Es ist Zeit, die Menschen wieder in den Mittelpunkt der Politik zu stellen, statt nur auf Bilanzen zu starren. Unsere Würde im Alter ist nicht verhandelbar!
Steve Watgen